Tag fĂŒr Lehrende 2024 der FHStP

07.02.2024

đŸ› ïž Zukunftskompetenz „Design Thinking“: Lehren - Lernen - Anwenden

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Manfred Daniel

Die Autor*innen stellen zu Design Thinking ein Good-Practice-Beispiel aus der Hochschullehre vor und fokussieren dabei drei Fragestellungen:

  1. Wie kann die Design Thinking-Methode für digital-didaktische Lehr-Entwicklungsprojekte eingesetzt werden?
  2. Was bedeutet Design Thinking-Kompetenz als Future Skill?
  3. Wie kann man diese Kompetenz lehren und lernen?

Design Thinking als Methode und Mindset hat vor allem im innovativen unternehmerischen Umfeld große Aufmerksamkeit gefunden und wird vielfältig angewendet (z. B. Plattner et al. 2018). Seit einigen Jahren ist das Thema auch im Hochschulbereich angekommen (z. B. Fernuni Hagen 2020, Fischer 2019). Die Autor*innen teilen hier zum Design Thinking ein Good-Practice-Beispiel aus der Hochschullehre und fokussieren dabei drei Fragestellungen:

  1. Wie kann die Design Thinking-Methode für digital-didaktische Lehrentwicklungsprojekte eingesetzt werden?
  2. Was bedeutet Design Thinking-Kompetenz als Future Skill?
  3. Wie kann man diese Kompetenz lehren und lernen?

1. Wie kann die Design Thinking-Methode für digital-didaktische Lehrentwicklungsprojekte eingesetzt werden?

Von den Autor*innen ist mit dem sogenannten D-Design Thinking eine Adaption des bekannten Design Thinking Ansatzes, speziell für die Aufgabe der didaktisch-digitalen Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen, gestaltet worden. Die Methode hat sich seit fünf Jahren im Lehrprojekt smile („Studierende als Multiplikator*innen für innovative und digitale Lehre“) (Tuchscherer & Daniel 2023) des Studiengangs Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), Karlsruhe bewährt. Im Sinne einer kooperativen Lehr-Lern-Innovation unterstützen mehrere studentische Teams (D-Guides genannt) in dem Lehrprojekt jeweils einen Lehrenden (D-Teacher genannt) bei seiner Lehrentwicklung.

Die D-Guides setzen das Verfahren speziell zur Projektkonzeption ein, um die Probleme und Vorstellungen des D-Teachers zu verstehen, ein gemeinsames Verständnis von den Projektzielen zu entwickeln, mögliche Probleme im Projektprozess zu identifizieren sowie Lösungsideen zu generieren. Die Methodik leitet insbesondere dazu an, die Sichtweisen der D-Teacher wie auch deren Studierenden einzunehmen.

Die einzelnen Vorgehensschritte orientieren sich an den aus der Literatur bekannten Design Thinking-Phasen und sind wie folgt für Lehr-Innovationsprojekte angepasst formuliert. 1. Lehrende und Lernende verstehen, 2. Lehr-Lernprobleme definieren, 3. Lehr-Lerninnovationen finden. Die im D-Design Thinking wichtigen Schritte 4. Prototyp entwickeln und 5. Testen finden in smile in der Projektrealisierung statt und werden mithilfe der D-Agile-Methodik (ebenfalls eine Eigenentwicklung) organisiert.

Das von den Autor*innen entwickelte D-Design Thinking Verfahren zeichnet sich neben bekannten Elementen wie Personas, Brainstorming und Priorisierungs­verfahren durch einige spezifische methodische Elemente (z. B. Lehr-Lern-Journey, Didaktische Problem Statements, Chancen Check, Solution Storys, spezifiziert durch User- und Quality Storys, Solution Backlog) aus, die in dem Beitrag von Tuchscherer und Daniel (2023) näher vorgestellt werden.

2. Was bedeutet Design Thinking-Kompetenz als Future Skill?

In den letzten Jahren wurden einige Ansätze zu sogenannten Future Skills veröffentlicht und diskutiert. Bei (Ehlers 2020) wird Design Thinking-Kompetenz als „Future Skill Profil“ (ebd. S. 81) beschrieben, welche „die Fähigkeit, konkrete Methoden einzusetzen, um ergebnisoffen in Bezug auf gegebene Problem- und Themenstellungen kreative Entwicklungsprozesse durchzuführen und dabei alle Stakeholder in einen gemeinsamen Prozess zum Problem- und Lösungsdesign mit einzubeziehen“ (ebd., S. 76 f.) umfasst. Damit verbunden sind Kompetenzen wie Flexibilität und Offenheit, Vielseitigkeit, Fähigkeit zum Perspektivwechsel sowie Interdisziplinarität (ebd.), welche im smile Projekt insgesamt gefördert werden. Darüber hinaus wird in smile auch der Future Skill „Lernkompetenz“ gezielt mit spezifisch entwickelten Selbstreflexionstools zur Studienmotivation sowie zum Lernverhalten (Boychev et al. 2023) weiterentwickelt. Im Rahmen des hier zu diskutierenden Good Practice Beispiels smile findet eine langjährige Kooperation mit der Forschungsgruppe Ehlers statt.

3. Wie kann man diese Kompetenz lehren und lernen?

Ehlers et al. (2022) zeigen im Projekt DIRKDual, wie Studierende Future Skills im gesamten Verlauf des Studiums an der DHBW reflexionsorientiert entwickeln können. Unser Good Practice Beispiel ist enger fokussiert auf die Vorbereitung der D-Guides zur Anwendung der oben erwähnten D-Design Thinking-Methode im smile-Lehrprojekt. In einem vorgeschalteten Seminar werden die Studierenden kompakt in einer Inverted Classroom-Einheit an das Thema herangeführt und können dabei Design Thinking-Kompetenzen entwickeln.

Diese Ausbildungseinheit besteht aus einer Online-Selbstlerneinheit (SLE) und einer Präsenzlerneinheit (PLE). Die Selbstlerneinheit ist in etwa drei Stunden zu bearbeiten und beinhaltet u. a. folgende Teile:

  • Vorwissens-Aktivierung: Einige Studierende der Wirtschaftsinformatik bringen schon Vorerfahrungen zum Design Thinking mit.
  • Lerninhalte: Vertonte PPT-Folien bieten ausführliche Erläuterungen zur D-Design Thinking-Methodik und ihrer Anwendung in der
  • Vorlagen und Templates als Tools bei der Methodenanwendung
  • Lernerfolgskontrolle: In automatischen Quizzes und offenen Fragen erhalten die D-Guides ausführliches Feedback.

In der PLE im Umfang von 3 bis 4 Lehrveranstaltungseinheiten (á 45 Minuten) können die Studierenden ihr in der SLE erworbenes eher theoretisches Wissen dann anhand von praktischen Übungen zu den fünf wesentlichen Schritten der D-Design Thinking-Methodik in Teams erproben. Danach können die D-Guides mögliche Schwierigkeiten und Herausforderungen bei der Durchführung der Methode beschreiben, reflektieren und einen D-Design Thinking-Prozess selbstständig als Team mit dem D-Teacher durchführen.

Im Workshop auf der Konferenz Inverted Classroom and Beyond 2024 an der FH St. Pölten, werden die Autor*innen diesen Lernansatz zur Entwicklung von Design Thinking-Kompetenz sowie den Einbezug der Selbstreflexionsinstrumente ebenso wie die Anwendung von Design Thinking bei Lehr-Lern-Innovationen präsentieren und zur Diskussion stellen. Diesem Blogbeitrag ist eine Beschreibung des D-Design Thinking in Form eines Didaktischen Entwurfsmusters als Datei beigefügt. Für die Teilnahme am Workshop wäre es wichtig, diese Beschreibung gelesen zu haben.

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