Tag für Lehrende 2024 der FHStP

07.02.2024

🖼️ Partizipative (Weiter-)Entwicklung von Studiengängen – Chancen und Herausforderungen

#Studiengansentwicklung #Partizipation #Hochschuldidaktik #DatengestütztesVorgehen #Digitalisierung

Verena Köstler, Jonas Krinninger

Wie müssen strukturierte Prozesse der Studiengangsentwicklung aussehen, in denen innovative Curricula konzipiert und Studierende so auf berufliche und gesellschaftliche Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden? Das Projekt ISA:dig (Internes Studiengangsaudit Digtialsierung) an der Universität Passau entwickelt und erprobt einen Prozessablauf für die Neuentwicklung oder Überarbeitung von Studiengangskonzepten, in dem hochschuldidaktische Expertise, eine datengestützte Vorgehensweise sowie die partizipative Einbindung unterschiedlicher Stakeholder-Perspektiven zentrale Gestaltungselemente darstellen. Eine digitale Prozessabbildung mit OER-Materialien (studiengangsentwicklung.uni-passau.de) macht den Prozess für Studiengangsleitungen und weitere Akteure in der Studiengangsentwicklung zugänglich. Doch worin bestehen Chancen und Hürden in der Umsetzung sowie Implementation als strukturverändernde Maßnahme mit dem Ziel, innovative Studiengänge zu entwickeln?

Das Projekt ISA:dig (Internes Studiengangsaudit Digitalisierung) an der Universität Passau verfolgt das Ziel, einen partizipativen, datengestützten und hochschuldidaktisch informierten Prozess bei der Neuentwicklung bzw. Überarbeitung von Studiengangskonzepten zu entwickeln. Zur Sicherung von Inhalts- sowie Prozessqualität entsteht eine digitale Abbildung der Prozesselemente auf einer Plattform mit zahlreichen OER-Materialien. Diese kann von Studiengangsverantwortlichen und Entwicklungsteams für die Strukturierung eines partizipativen Entwicklungsprozesses genutzt werden. Perspektivisch soll das Angebot nachhaltig in universitätsinterne Prozesse der Entwicklungsplanung und Akkreditierung als Strukturierungs- und Umsetzungshilfe für eine zukunftsfähige Curriculumentwicklung eingebunden werden und gleichzeitig als Angebot für interessierte Hochschulen offenstehen. Unter studiengangsentwicklung.uni-passau.de werden bis Projektende (07/2024) die Prozessschritte für Studiengangsleitungen sowie weitere Stakeholder in der Studiengangsentwicklung zur angeleiteten Umsetzung aufbereitet. Während der Projektlaufzeit werden Studiengänge bei der Erprobung des Prozesses durch das Projektteam begleitet.

Ausgangsbasis ist der Prozessschritt „Potentiale und Änderungsbedarfe erheben“ (I), der sich insbesondere auf die Erhebung und Aufbereitung von studiengangsbezogenen Daten bezieht. Bei bestehenden Studiengängen werden Auditgespräche mit verschiedenen Stakeholdergruppen (bspw. wissenschaftliches Personal in der Lehre, Studierende, Alumni) und quantitative Befragungen durchgeführt, um vielfältige Perspektiven einzubeziehen. Ein besonderer Fokus dieses Prozessschritts liegt auf der partizipativen Einbindung studentischer Perspektiven für die Gestaltung des zukünftigen Studiengangs (Lippert 2005; Bovill 2014; Cristina & Rediger 2021, Tuhkala, Ekonoja & Hämäläinen 2021). Die dafür erforderliche quantitativ-qualitativ Datenerhebung wird über die Plattform angeleitet und die erhobenen quantitativen Daten lassen sich automatisiert auswerten. Die Prozessschritte der partizipativen Aushandlung von Qualifikationszielen (II) und Gestaltung der Studiengangsarchitektur (III) schließen sich an und nehmen Bezug auf die in Prozessschritt I gewonnenen Erkenntnisse. Der strukturierte Entwicklungsprozess zielt auf Studiengangskonzepte, in denen eine gemeinsame Verständigung und kohärente Abstimmung der Studiengangsbeteiligten auf übergeordnete Qualifikationsziele und das Curriculum stattfindet. Hochschuldidaktische Gestaltungsempfehlungen, insbesondere im Hinblick auf die Adressierung digitalisierungsbezogener Herausforderungen (DigComp 2022), werden durch das Projektteam in den Prozess eingebracht und eine Verankerung in den Curricula angestrebt. Die geplante bzw. tatsächliche Umsetzung dieser Empfehlungen wird projektintern dokumentiert. Analysen von bisher begleiteten Studiengängen zeigen, dass hochschuldidaktische Diskussionen in die Entwicklungsprozesse der Studiengangskonzepte Eingang finden. So werden für jeden Studiengang auf Basis der erhobenen Daten (Prozessschritt 1) Potentiale und Änderungsbedarfe dargestellt und Gestaltungsempfehlungen für das Profil und Studiengangsdesign abgeleitet. Beispielhaft können die Stärkung digitalisierungsbezogener Kompetenzen bspw. durch eine systematische Integration digital gestützter Prüfungsformate oder die Stärkung von Forschungsorientierung bspw. durch Einführung forschungspraktischer Lerngelegenheiten als wiederkehrende Elemente genannt werden. Zudem werden Studiengangsverantwortliche in ihrer Rolle im Prozessablauf beraten und unterstützt. Die Empfehlungen beziehen sich überwiegend auf ein strukturiertes und aufeinander aufbauendes Vorgehen bei der Entwicklung des Studiengangskonzepts sowie die Organisation partizipativer und arbeitsteiliger Arbeitsstrukturen. Allerdings war wiederholt zu beobachten, dass sowohl konzept- als auch prozessbezogene Empfehlungen bei der tatsächlichen Umsetzung oft anderen Prioriäten (bspw. ressourcenorientiert) untergeordnet werden. So findet der Schritt der tatsächlichen Verankerung hochschuldidaktisch informierter Gestaltungsempfehlungen in Studiengangsdokumenten nur teilweise statt. Für die Umsetzung empfohlener prozessbezogener Schritte (bspw. Reihenfolge „studiengangsbezogene Daten - Qualifikationsprofil - Curriculum“; arbeitsteilige Organisationsfragen) erweisen sich knappe zeitlichen Ressourcen (bspw. zu wenig Zeit für die Phase der Konzeptentwicklung bis zum Beginn des formellen Prüfungsprozesses) und unklare Zuständigkeiten der verschiedenen Beteiligten im Entwicklungsprozess als hinderlich.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach erforderlichen institutionellen Rahmenbedingungen, innerhalb derer Innovationspotentiale bei der Entwicklung und Überarbeitung von Studiengängen bestmöglich ausgeschöpft werden können (Euler 2016). Entwicklungsteams stehen vor der Aufgabe, Studiengangsverantwortlichen und -beteiligten Prozessabläufe bereit zu stellen, in denen zukunftsfähige Konzeptideen für Studiengänge entwickelt werden können und hochschuldidaktische Expertise integriert ist. Eine grundlegende Herausforderung bei der Entwicklung innovativer Studiengangskonzepte besteht darin, hochschuldidaktische und gleichzeitig datengestützte Gestaltungsempfehlungen zu implementieren. Der Grad der Verbindlichkeit, mit dem entsprechende Konzeptionsphasen an den Hochschulen verankert und formal-rechtlichen Prüfungsphasen vorgelagert sind, kann eine mögliche Stellschraube sein, um die Nachfrage und Reichweite von Angeboten zur Entwicklung zukunftsfähiger Curricula zu steuern und eine Umsetzung von als notwendig erachteten Prozesschritten zu sichern.

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